Erdogan oder Erdovan – journalistische Marotten durchschaut


Geschrieben wird er “Erdogan”. Das G wird aber im Türkischen stumm ausgesprochen, ähnlich wie in gewissen Wendungen im Russischen. Zum Beispiel wird das Wort сегодня (“sigodnja” geschrieben, russisch für “heute”) so ausgesprochen, dass es für unsere deutschverstehenden Ohren eher nach “Sivodnja” klingt.

Jetzt hat also vor einiger Zeit irgend ein Türkischversteher und Journalist in Personalunion damit angefangen, “Erdogan” in “Erdovan” zu verwandeln, und alle anderen haben es ihm nachgemacht. Schön und gut. Man darf das. Aber dann sollte man konsequent sein und alle Sprachen gleich behandeln.

Die “Kötbullar” von IKEA werden dann korrekt schwedisch ausgesprochen, nämlich “Schöttbüllar”. “Michelin” wird zu “Mischlän”, wobei sich der Deutsche noch ein wenig üben darf, bis er das nasale Ä hinbekommt, klingt es doch meistens eher nach “Mischlan”.

Und was ist mit dem Eiffelturm? Sollte der nicht korrekterweise “Tuur Eeffelle” ausgesprochen werden. “London” wird dann zu “Landen” und “Edinburg” zu “Edinböre”.

Und wäre es zu viel verlangt vom deutschsprachigen Journi, wenn er sich mal für eine halbe Stunde mit den Ausspracheregeln der Lingua Italiana auseinandersetzte? Das mit dem “Chianti” und “Lamborghini” haben ja einige schon ganz gut im Griff, aber dass die Italiener gerne die erste Silbe betonen, hat noch lange nicht bei allen Einzug gehalten. Die Stadt “Cecina” beispielsweise wird nicht “Cecina” ausgesprochen, sondern “Cecina”.

Die niederländische Aussprache könnte man sich auch in 30 Minuten draufschaffen, wenn man es denn wirklich wollte. So würde aus “Scheveningen” ein “S-cheveningen”, was auch niederländische Ohren befriedigt. Aus “Den Haag” wird “Den Haach”.

Was aber ist mit den Spaniern, die gerne mal das S verschlucken, weil es sonst einfach zu anstrengend ist, oder die vielen Briten, die statt “Humanity” “Humani’y” sagen, weil das T so unglaublich schwer zu sprechen ist? Ganz zu schweigen von Bulgarisch, Serbisch, Griechisch und deren Eigenheiten.

Mit Mandarin wollen wir ja gar nicht anfangen. Würde der chinesische Staatschef seinen Namen im deutschsprachigen Fernsehen hören, würde er ihn vermutlich nicht erkennen, weil die Aussprache des TV-Anchors aus “Xi Xi Ping” ein “ich bin verstopft” zaubern würde.

Was der “Erdovan”-Kreator da begonnen hat, hat er leider nicht zu Ende gedacht. Hätte er es getan, wäre er mit Sicherheit bei “Erdogan” geblieben.

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